Interview: Mountainbiker Michael beim TRANS GERMANY

Date: 17 Jun 2010 - Author: Markus - Category: Biking Events - Comments: 2 so far
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Trans Germany Mountainbike Etappenrennen




Vom 02. bis 05. Juni 2010 fand im Allgäu und im Voralpenraum der diesjährige MTB-Etappenrennen CRAFT BIKE TRANS GERMANY powered by NISSAN statt. In 4 Tagen wurden circa 300 Kilometer und 10.000 Höhenmeter absolviert. Die Strecke führte vom höchsten Berg Deutschlands zum größten See Deutschlands durch eine atemberaubende und wunderschöne Kulisse. Die CRAFT BIKE TRANS GERMANY gilt als Tour de France der Mountainbiker!


Das Event bietet den Mountainbikern eine Mischung aus Breitensport und Spitzensport, bei dem sich sportliche Mountainbiker mit den Profis messen können. Und mit genau so einem ambitionierten Jung-Mountainbiker hatten wir die Gelegenheit nach dem Rennen zu sprechen.


Michael Giegerich ist Mountainbiker seit 2005 und absolvierte mit dem TRANS GERMANY sein erstes Etappenrennen. Für Boost-Sports erzählt er uns von seinen Erfahrungen, gibt einige Tipps und erzählt was sich MTB-Toprider Karl Platt beim Buffet so alles auf den Teller lädt.


Start des TRANS GERMANY




Boost-Sports: Hey Michael, du hast mit dem Trans Germany dein erstes Etappenrennen absolviert. Wie ist es gelaufen?

Michael: Besser als erwartet! Top 100 war mein Ziel, Platz 48 wurde es am Ende. Wobei ich oftmals sehr viel Glück hatte. Immer wieder Crashs mehrerer Fahrer neben oder hinter mir. Beinahe das Wegrutschen meines Rads auf nassen Holzbrücken und so weiter. Manchmal bin ich aber auch nicht vom Pech verschont geblieben, zum Beispiel habe ich 10 Minuten vor dem Start der 2. Etappe einen Schleicher im Hinterreifen bemerkt oder es gab einen kontrollierten Abflug in die Botanik, weil ich eine enge Kurve nicht mehr bekommen habe.




Boost-Sports: Das Rennen ging in 4 Etappen von Garmisch-Partenkirchen nach Bregenz an den Bodensee. Wie ist war denn der typische Tagesablauf beim TRANS GERMANY?

Michael: Gegen 7 Uhr wird aufgestanden, die Reisetaschen müssen gepackt und für den Transport abgeben werden, anschließend frühstücken. Danach fährt man sich warm, rollt eine halbe bis eine ganze Stunde vor dem Start in den Startblock und wartet dort auf den Startschuss. Dieser erfolgte meist gegen 10 Uhr.

Nach dem Zieleinlauf müssen gleich wieder die Speicher mit leichtverdaulicher Kost aufgefüllt werden. Man geht weiter zum Bike-Wash, säubert und checkt sein Rad für die nächste Etappe, fährt zum Hotel und geht duschen sowie Wäsche waschen. Anschließend legt man die Kleidung, Rennverpflegung, Ersatzmaterial schon für den nächsten Tag zurecht und kann noch ein wenig bis zum Abendessen im Cafe oder auf dem Bett vor dem Fernseher chillen. Nach der obligatorischen Nudelparty dehnt man sich noch und fällt müde ins Bett.




Boost-Sports: Wie fühlt es sich als ambitionierter Amateur-Fahrer an mit den großen Namen der Szene Rad an Rad im Starterfeld zu stehen? Bist du mit Topridern ins Gespräch gekommen?

Michael: Bei den Etappen 1 bis 3 stand ich im Startblock B, also einen Block hinter den Profis und hatte somit nicht die Möglichkeit im Rennen ganz nach vorne zu fahren.

Am vierten Tag war das anders, denn aufgrund meiner verbesserten Gesamtzeit durfte ich in den Startblock A zu den Profis. Hier rollte wenig später Karl Platt vom Team Bulls direkt neben mich. Er gehört zu den stärksten MTB-Etappenrennfahrern der Welt – mehrfach konnte er schon die Trans Alp und das Cape Epic gewinnen. Und Zeit für ein bisschen Smalltalk mit mir hatte er auch – ein klasse Typ! Zudem waren wir zweimal in gleichen Hotels wie einige Profiteams (Team Bulls und Team Topeak-Ergon) untergebracht und konnten deren Tagesabläufe etwas beobachten. Was die so z.B. auf ihre Teller beim Buffet laden …


Flussdurchfahrt TRANS GERMANY


Boost-Sports: Was hat dir beim Trans Germany am Besten gefallen und was überhaupt nicht?

Michael: Mit Abstand am Besten gefallen hat mir natürlich meine überraschend gute Platzierung, vor allem bei der letzten Etappe meine Tagesplatzierung 37. Denn die Quälerei hat plötzlich Spaß gemacht, als ich merkte, mit welchen namhaften Fahrern ich mithalten kann. Da bekommt man zusätzlich nochmal einen Motivationsschub und beißt sich die Berge hoch. Das Wetter an den ersten beiden Tagen war natürlich durch den Dauerregen mies. Nervig war der wirklich stressige Tagesablauf, weil man sich nach dem Rennen noch um alles Mögliche kümmern muss und nur wenig Zeit zum Entspannen hat.




Boost-Sports: Was sind die Vor- und Nachteile gegenüber den Tagesrennen?

Michael: Der wesentliche Unterschied ist, dass es am nächsten Tag einfach gleich wieder weiter geht! Quasi nach dem Motto: Nach dem Rennen ist vor dem Rennen! Der Tagesablauf ist entsprechend straff und abends nach Herzenslust schlemmen und Bierchen trinken ist erstmal nicht drin. Ganz am Ende des Etappenrennens natürlich schon.




Boost-Sports: Von über 1200 Startern, darunter zahlreichen Profis, hast du es in die Top-50 geschafft – hast du dich auf das Rennen speziell vorbereitet?

Michael: Nein, das Trans Germany diente mir mehr als Vorbereitung für die Rennen zwischen Juni und August. Diese Rennen haben für mich eine höhere Priorität. Durch das schlechte Wetter zu Beginn des Trans Germany war ich sogar die letzten drei Tage vorher gar nicht auf dem Bike, dafür aber täglich joggen.




Boost-Sports: Welches Equipment hast du beim Trans Germany benutzt und für welches Team bist du gefahren?

Michael: Mein örtlicher Radhändler (das Radhaus Bonnet in Schaafheim) hat mir für diese Rennsaison ein Carbon Hardtail zur Verfügung gestellt. Dies hat allen möglichen Hightech und summiert sich im Gesamtgewicht gerade mal auf ca. 8,8 kg.


TRANS GERMANY Mountainbiking


Boost-Sports: Deine Homespots liegen am Untermain und im südlichen Hessen. Wo sind die Trails besser – zu Hause oder im Allgäu? Wie beurteilst du die Strecke des Trans Germanys insgesamt?

Michael: Die Trails im Allgäu und im Voralpenraum sind nicht nur wesentlich länger als zu Hause, sondern auch viel felsiger. Highlights der Strecke waren die Abfahrt am ersten Tag durch den Bikepark Lermoos oder am letzten Tag die Trails kurz vor Bregenz. Auf der anderen Seite mussten wir im Allgäu sehr oft auf Radwege und Landstraßen ausweichen, weil die ursprüngliche Strecke nicht genehmigt wurde. Da lobe ich mir wiederum unsere Mittelgebirgslandschaft. Hier gibt es bisher weder gesperrte Trails für Biker noch MTB-Rennen, die auf Asphalt ausgetragen werden müssen.




Boost-Sports: Willst du in Zukunft wieder Etappenrennen fahren oder bleibst du lieber bei den Tagesrennen?

Michael: Jedes Jahr ein Etappenrennen zu fahren wäre schon was Feines. Aber im Moment gefallen mir die Eintagesrennen noch etwas besser. Mal sehen was nächstes Jahr kommt!




Boost-Sports: Hast du noch eine Empfehlung oder Tipps für andere Mountainbiker die sich an ein Etappenrennen wagen wollen?

Michael: In den ersten Tagen bloß nicht Vollgas oder gar über dem Limit fahren! Besser hält man sich zu Beginn zurück und schont sich in einer Gruppe. Werden die Tagesetappen an sich und die Anzahl der Etappen richtig lange, ist eine ausgeprägte Grundlagenausdauer ganz entscheidend. Das hilft nicht nur im Rennen ungemein, sondern auch zwischen den Etappen in der Regenerationsphase. Zudem sollte man immer erholt ins Rennen gehen, genügend Ersatzmaterial und Kleidung für jedes Wetter dabei haben und im besten Fall noch einen Betreuer als helfende Hand, Motivator etc.




Boost-Sports: Danke für das Interview und weiterhin viel Erfolg für die Saison!




Infos: www.bike-transgermany.de
Bilder: TRANS GERMANY / © Peter Musch




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